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29.12.2016

Interessante Alternative zu Bankbürgschaften

Sicherheiten und Garantien: Kreditversicherer bieten breites Lösungsspektrum


Die voranschreitende Internationalisierung der deutschen Industrie, die längst auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen erreicht hat, führt zu steigenden Risiken, die im Zuge der Vertragsgestaltung oder im Nachgang bei der Abwicklung der Geschäfte entstehen. Mit erhöhtem Risiko wächst die Nachfrage nach Sicherheiten wie Bürgschaften oder Garantien.

Der deutsche Mittelstand setzt hier nach wie vor stark auf die Hausbanken, die bislang ca. 75 % des Bürgschaftsgeschäfts in Deutschland zeichnen. Dass Banken Bürgschaften in der Regel voll auf die Kreditlinien anrechnen, schmälert allerdings die Verfügbarkeit für andere Bereiche im Finanzierungsmix. In Zeiten einer starken Konjunktur mit damit einhergehenden guten Bonitäten der Kreditnehmer lassen sich die Kreditlinien zur Deckung des Bürgschaftsbedarfs in den meisten Fällen in ausreichendem Umfang ausweiten.

Was aber, wenn sich die Konjunktur eintrübt und die betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) nicht mehr nur Erfolgsgeschichten vermitteln? Spätestens dann werden die Banken und deren Kunden die Basel III-Richtlinien und verschärfte Ratings in vollem Ausmaß spüren. Das lässt erwarten, dass u. a. die für jegliche Kreditart geforderte höhere Eigenkapitalunterlegung sowie schlechtere Konditionen bei der Refinanzierung dann schnell den Ruf nach noch besseren Sicherheiten und noch höheren Gebühren laut werden lassen.

Ganzheitlicher Ansatz der Versicherer

Im Gegensatz zu Banken errechnen Versicherer Ausfallswahrscheinlichkeiten u. a. über Bilanzen und BWA. Kombiniert mit Parametern aus eigenen Erfahrungen – z. B. über Ausfallsstatistiken der jeweiligen Branchen und der einzelnen Bürgschaftsarten –, ergibt sich so mitunter eine völlig andere Bewertung, sodass auch Unternehmen mit mittlerer Bonität Zugang zu guten Angeboten für einen Bürgschaftsrahmen erhalten.

Hinzu kommt, dass sowohl der Bedarf an Sicherheiten als auch das durchschnittliche Gebührenniveau bei Versicherern meist geringer ist als bei Banken.

Es hat also durchaus Vorteile, sich auch im Bürgschaftsgeschäft allmählich unabhängiger von den Banken zu machen. Im Idealfall bleiben die Banklinien weiterhin vollständig bestehen, allerdings sinnvollerweise nur für die Finanzierung des operativen Geschäfts. Der Bürgschaftsbedarf kann dann in der Regel komplett mittels Kautionsversicherungen gedeckt werden. Häufig empfiehlt es sich, die Bürgschaften auf mehr als einen Versicherer zu verteilen.

Angebote immer vielfältiger

Jetzt ist eine gute Zeit, in die Kautionsversicherung einzusteigen. Neben den traditionellen Bürgschaftsversicherern, die über ausreichende Kapazitäten verfügen, treten derzeit weitere Anbieter mit bekannten Namen in den deutschen Markt ein. Zudem befinden sich angesichts der niedrigen Ausfallraten in den letzten Jahren die Konditionen auf einem historisch niedrigen Niveau.

In der Vergangenheit wurde dieses Versicherungssegment vorwiegend mit dem Baugewerbe und dem Maschinenbau in Verbindung gebracht. Dies begründete sich darin, dass die Versicherer hauptsächlich Standardbürgschaftsarten wie Anzahlungs-, Vertragserfüllungs- und Gewährleistungsavale anboten.

Heute ist das Leistungsspektrum viel umfangreicher. Die Versicherer halten mittlerweile individuelle Lösungen vor wie beispielsweise

  • Mietbürgschaften
  • Zoll- und Steuerbürgschaften
  • Bürgschaften für Warenlieferungen
  • Bürgschaften für Wertguthaben bei Altersteilzeit
  • Bürgschaften bei Dienstleistungsverträgen
  • Bürgschaften aus Verpflichtungen zur Autobahnmaut
  • Bürgschaften für Erschließungsmaßnahmen
  • Rekultivierungsbürgschaften
  • Mineralölbürgschaften
  • Bürgschaften für Rückbauverpflichtungen (z.B. Solaranlagen)
  • IATA-Bürgschaften
  • u. v. m.

Trotz dieser Vielfalt wollen sich die Bürgschaftsversicherer nicht als Konkurrenz zu den Banken sehen; sondern eher als zusätzlicher Finanzier, der nur einen kleinen Teilbereich der Unternehmensfinanzierung abdeckt.

Nicht nur bei guten Bonitäten sind Versicherer als Bürgen interessant. Eine Ablösung von Bankbürgschaften kann z. B. selbst in Sanierungsphasen häufig Kreditlinien frei machen, die zur Überbrückung des finanziellen Engpasses genutzt werden können.

Wer Kreditversicherer als Bürgen nutzt, hat vielfältige Vorteile:

  • erhöhte Unabhängigkeit von Banken(-ratings)
  • Entlastung der Kreditlinien bei den Banken
  • in der Regel geringere Sicherheitenstellung
  • häufig niedrigere Gebühren
  • Reduzierung von Haftungsrisiken des Managements (z. B. durch die Abwicklung von sichereren Geschäften)
  • einfache Beantragung und Ausstellung von Avalen aufgrund technisch hoch entwickelter Systeme
  • damit einhergehend Verringerung des Verwaltungsaufwands
  • in der Regel schnellere Verfügbarkeit der Bürgschaftsurkunden
  • hohe Flexibilität bei individuellen Bürgschaftstexten
  • Nutzung von sehr guten Ratings der Versicherer auf dem internationalen Markt

Haben Sie Fragen rund ums Thema Bürgschaften oder wünschen Sie konkrete Angebote für Ihren Bedarf? Nutzen Sie unsere Kompetenz in der Unternehmensfinanzierung. Ihre regionalen Ansprechpartner stehen Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Text erstellt von Jürgen Hertha