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13.07.2017

Prüfung der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel

DGUV Vorschrift 3 (Unfallverhütungsvorschrift; ehemals BGV A3) versus Klausel 3602 (Feuerklausel)


Arbeitgeber sind verpflichtet, elektrische Anlagen und Betriebsmittel regelmäßig fachkundig prüfen zu lassen. Das verlangen das Arbeitsschutzgesetz und die Betriebssicherheitsverordnung in Verbindung mit der Unfallverhütungsvorschrift der deutschen gesetzlichen Unfallversicherungsträger.

Gewerbetreibende sind verpflichtet, elektrische Anlagen regelmäßig sachkundig prüfen zu lassen. Das verlangen die Versicherer.

Die komplizierten Vorgaben und Begrifflichkeiten führen in der Praxis oftmals zur Verunsicherung:

  • Wann und in welchen Abständen muss geprüft werden?

  • Was muss geprüft werden?

  • Wie muss geprüft werden?

  • Wer darf prüfen?

Wir stellen für Sie die prüfungsrelevanten Aspekte der DGUV Vorschrift 3 (Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaft) der Klausel 3602 (Feuerklausel der Versicherer) gegenüber. Die Übersicht gibt Aufschluss über Besonderheiten und Unterschiede, klärt über einzuhaltende Fristen auf und informiert über mögliche Konsequenzen bei Pflichtverstößen. 

Prüfungen gemäß DGUV Vorschrift 3

Prüfungen gemäß Klausel 3602

 Anspruchsgrundlage

Arbeitsschutzgesetz

> Betriebssicherheitsverordnung

> Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) 1201

Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen

DGUV Vorschrift 3 Unfallverhütungsvorschrift Elektrische Anlagen und Betriebsmittel


Das Arbeitsschutzgesetz und das untergesetzliche Regelwerk verfolgen das Ziel, die Sicherheit und den Gesundheits­schutz der Beschäftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern.

Die Prüfungen dienen dem Personenschutz (z. B. bei Berührung).

Vereinbarung im Versicherungsvertrag

Zusatzbedingungen für Fabriken und gewerbliche Anlagen (ZFgA) 81b, § 13, Klausel 3602.

Ziel der Prüfung der elektrischen Anlagen ist es sicherzustellen, dass den besonderen Anforderungen des Versicherers an den Sachschutz Rechnung getragen wird.

Die Prüfungen dienen dem Sach- und Brandschutz.

 Was ist zu prüfen?

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel

Arbeitgeber haben dafür zu sorgen, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden:

> Elektrische Betriebsmittel sind alle Gegenstände, die als Ganzes oder in einzelnen Teilen dem Anwenden elektrischer Energie oder dem Übertragen, Verteilen und Verarbeiten von Informationen dienen.

> Elektrische Anlagen werden durch Zusammenschluss elektrischer Betriebsmittel gebildet.

> stationäre Anlagen

> nichtstationäre Anlagen

> ortsfeste elektrische Betriebsmittel

> ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel

Alle relevanten Teile von elektrischen Anlagen

> Trafostation einschließlich Mittelspannungs-Schaltanlagen

> Schaltanlagen und Verteiler

> zugängliche und sichtbare Teile der elektrischen Installation von Maschinen

> Kabel- und Leitungsanlage von der Einspeisung bis zum jeweiligen Verbraucher, soweit sichtbar; bei Zwischendecken, Kabelkanälen und Kabelschächten Besichtigung an geeigneten Stellen (Öffnen der Decke bzw. der Abdeckung)

> Vorhandensein von Verschlüssen bei Kabel- und Leitungsdurchbrüchen im Zusammenhang mit elektrischen Anlagen

> Beleuchtungsanlage

> Maßnahmen der Erdung und des Potenzialausgleichs

> Überspannungsschutz

> ortsveränderliche Betriebsmittel, soweit bei der Prüfung vorzufinden

> Photovoltaikanlagen

Bei der Prüfung können statt eigener Messungen die Messergebnisse von vorausgegangenen gesetzlich bzw. behördlich vorgeschriebenen Prüfungen, z. B. nach DGUV Vorschrift 3, berücksichtigt werden, sofern die dabei angefertigten Protokolle hierfür geeignet sind und diese Prüfungen regelmäßig durchgeführt wurden.

 Prüffristen

1. Bei Inbetriebnahme 
(kann z. B. durch Siegel Geprüfte Sicherheit – GS-Zeichen – Inbetrieb­nahmedokumentation etc. ersetzt werden)

> vor der ersten Inbetriebnahme

> nach einer Änderung oder Instandsetzung

> vor der Wiederinbetriebnahme

2. in bestimmten Zeitabständen (siehe Tabellen gemäß DGUV Vorschrift 3 ab Seite 3)

Jährlich

Werden bei der Prüfung keine erheblichen Mängel festgestellt, verzichtet der Versicherer (wenn vereinbart) auf die nächstfällige (nächstjährige) Prüfung.

 Wer prüft?

Elektrofachkraft

> in Teilbereichen eine elektrotechnisch unterwiesene Person

> VdS-anerkannte/r Sachverständige/r (VdS = Sicherheit durch Vertrauen)

> Fachingenieur/in im Auftrag einer Behörde

 Prüfungsziel

Aussage über den Zustand der Betriebsmittel und Anlagen

Der sichere Zustand ist vorhanden, wenn elektrische Anlagen und Betriebsmittel so beschaffen sind, dass von ihnen bei ordnungsgemäßem Bedienen und bestimmungsgemäßer Verwendung weder eine unmittelbare (z. B. gefährliche Berührungsspannung) noch eine mittelbare Gefahr (z. B. durch Strahlung, Explosion, Lärm) für den Menschen ausgehen kann.

Basis für die Beurteilung sind die elektrotechnischen Regeln nach VDE (Verband der Elektrotechnik).

Aussage über den Gesamtzustand der Anlage

a) Anlage in gutem Zustand, Wartung erfolgt und Gefahren offensichtlich nicht zu erwarten; keine bedenklichen Mängel festgestellt.

b) Anlage in gutem Zustand mit Beeinträchtigungen in Teilbereichen, die weiter beobachtet werden müssen.

c) Anlage mit Teilbereichen, die sich in weniger gutem Zustand befinden; teilweise ist von Beeinträchtigungen auszugehen, die sofort behoben werden bzw. die weiter beobachtet werden müssen.

d) Anlage in schlechtem Zustand; zahlreiche Mängel vorhanden, die sofort behoben werden müssen.

Basis für die Beurteilung sind die elektrotechnischen Regeln nach VDE.

 Prüfmethoden

> Inaugenscheinnahme

Funktionsprüfungen, Erproben

Messungen (elektrisch)

Ordnungsprüfungen (Dokumente)

> Besichtigungen

> Funktionsprüfungen

> Messungen (elektrisch, thermisch)

> Ordnungsprüfungen (Dokumente)

> Dokumentation

 Dokumentation

Keine vorgegebenen Regeln

Dokumentation in einem vorgegebenen Befundschein gemäß VdS 2229

 Mögliche  Konsequenzen  bei Nichtbeachtung

Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden.

Verlust/Teilverlust des Versicherungsschutzes

 Mögliche  Konsequenzen im  Schadenfall

> strafrechtliche Haftung (Bußgeld oder Strafe) des/der Verursachenden

> zivilrechtliche Haftung des/der Verursachenden (Ansprüche der Geschädigten, der BG u. a.). Der Grad der Haftung ist abhängig vom Grad der Verschuldung (vorsätzlich, grob fahrlässig, fahrlässig).

Verursacher ist, wer die erforderlichen Prüfungen nicht oder nicht zeitgerecht durchführen lässt.

> Verlust/Teilverlust des Versicherungsschutzes

> zivilrechtliche Inanspruchnahme des Verursachers durch den Geschädigten oder den Versicherer

Verursacher ist, wer die erforderlichen Prüfungen nicht oder nicht zeitgerecht durchführen lässt.

Prüfungen gemäß der DGUV Vorschrift 3

Hinweis zur Gefährdungsbeurteilung gemäß der Betriebssicherheitsverordnung

Der Arbeitgeber hat Art und Umfang erforderlicher Prüfungen von Arbeitsmitteln sowie die Fristen von wiederkehrenden Prüfungen zu ermitteln und festzulegen (§ 3 Abs. 6). Der Arbeitgeber hat das Ergebnis seiner Gefährdungsbeurteilung vor der erstmaligen Verwendung der Arbeitsmittel zu dokumentieren. Dabei sind u. a. mindestens anzugeben:

> Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen sowie die Fristen der wiederkehrenden Prüfungen (§ 3 Abs.8 Nr. 4).

Prüfungen der ortsfesten elektrischen Anlagen und Betriebsmittel

Anlage/Betriebsmittel

Prüffrist

Art der Prüfung

Prüfer

elektrische Anlagen und ortsfeste Betriebsmittel

4 Jahre

auf ordnungsgemäßen

Zustand

Elektrofachkraft

elektrische Anlagen und ortsfeste elektrische Betriebsmittel in Betriebsstätten, Räumen und Anlagen besonderer Art (DIN VDE 0100 Gruppe 700)

1 Jahr

Schutzmaßnahmen mit Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen in nichtstationären Anlagen

1 Monat

auf Wirksamkeit

Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person bei Verwendung geeigneter Mess- und Prüfgeräte

Fehlerstrom-, Differenzstrom und Fehlerspannungs-Schutzschalter

> in stationären Anlagen

> in nichtstationären Anlagen



6 Monate

arbeitstäglich

auf einwandfreie Funktion durch Betätigen der Prüfeinrichtung

Benutzer/in

 

Hinweise zur Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen und Betriebsmittel

Die Forderungen sind für ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel z. B. auch dann erfüllt, wenn diese von einer Elektrofachkraft ständig überwacht werden.

Ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel gelten als ständig überwacht, wenn sie kontinuierlich

> von Elektrofachkräften instandgehalten und

> durch messtechnische Maßnahmen im Rahmen des Betreibens (z. B. Überwachen des Isolationswiderstandes) geprüft werden.

Die ständige Überwachung als Ersatz für die Wiederholungsprüfung gilt nicht für die elektrischen Betriebsmittel.

 

Prüfungen der ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel

Anlage/Betriebsmittel

Prüffrist

Richt- und Maximalwerte

Art der Prüfung

Prüfer

> ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel (soweit benutzt)

> Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckvorrichtungen

> Anschlussleitungen mit Stecker

> bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss

Richtwert:
6 Monate,
auf Baustellen 3 Monate

Wird bei den Prüfungen eine Fehlerquote < 2 % erreicht, kann die Prüffrist entsprechend verlängert werden.

Maximalwerte:

auf Baustellen, in Fertigungsstätten und Werkstätten oder unter ähnlichen Bedingungen 1 Jahr,
in Büros oder unter ähnlichen Bedingungen 2 Jahre.

 

auf ordnungsgemäßen Zustand

Elektrofachkraft, bei Verwendung geeigneter Mess- und Prüfgeräte auch elektrotechnisch unterwiesene Person

Hinweise zur Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel

Die Tabelle enthält Richtwerte für Prüffristen.

Als Maß, ob die Prüffristen ausreichend bemessen werden, gilt die bei den Prüfungen in bestimmten Betriebsbereichen festgestellte Fehlerquote, d. h. die Quote der Betriebsmittel, die Abweichungen von den Grenzwerten aufweisen.

> Beträgt die Fehlerquote höchstens 2 %, kann die Prüffrist als ausreichend angesehen werden.

Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung der Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel darf auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person übernehmen, wenn geeignete Mess- und Prüfgeräte verwendet werden.