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27.03.2017

„Neue Wege für die essenzielle Rendite in der betrieblichen Altersversorgung“

Säen und ernten – in der betrieblichen Altersvorsorge führt an kapitalmarktnahen Produkten auch aus Kunden- und Maklersicht kein Weg mehr vorbei.


1. Was der Dünger in der Landwirtschaft, ist der Zinseszins in der Altersvorsorge: Wer ernten will, muss säen und düngen.

Frisches Saatgut, fruchtbarer Boden und wohldosierte Niederschläge – beste Voraussetzungen also für eine gute Ernte. Der Ertrag fällt dennoch mager aus, wenn etwas Entscheidendes fehlt: Erst der Dünger füllt dem Landwirt Scheune und Taschen.

Ähnlich verhält es sich bei der Altersorge: Frisches Geld, ein guter Vermögensverwalter und steuerliche Förderung reichen für den Anbau eines attraktiven Altersvorsorgevermögens nicht aus. Erst die an den Kapitalmärkten erwirtschafteten und reinvestierten Erträge lassen das Vermögen zu einer ansehnlichen Größe wachsen.

Der Zinseszinseffekt fungiert dabei als Turbolader. Aber wehe, wenn ihm die Luftzufuhr abgeschnitten wird, dann ist es mit der Kraftentfaltung zu Ende. In dieser Situation sehen sich private und institutionelle Investoren, die ihr Altersvorsorgevermögen bisher zu mehr als 90 % in festverzinslichen Wertpapieren investieren. Zinserträge von 6 % und mehr, wie sie bis etwa zum Jahr 2000 gang und gäbe waren, gibt es schon lange nicht mehr. Bei Staatsanleihen mit hoher Bonität muss der Investor inzwischen sogar ein Eintrittsgeld mitbringen, wenn er dem Staat sein Geld leihen will. Die Finanzwelt steht Kopf.

Deshalb ist es für den Altersvorsorgesparer heute umso wichtiger, sein Vermögen auf verschiedene Investmentklassen zu verteilen. Und dazu gehört vor allem auch die Investition in Sachwerte, wie werthaltige Aktien, ertragreiche Immobilien und Infrastrukturprojekte. Der Investor muss in prosperierenden Volkswirt-schaften an den Erträgen der Unternehmen partizipieren. Nur bei einem intelligenten Anlagemix kann nachhaltig eine Rendite erzielt werden, die oberhalb der Inflationsrate liegt und deshalb zu einem realen Vermögenszuwachs (unter Berücksichtigung des inflationsbedingten Kaufkraftverlustes) führt. Und auf den letzten Punkt kommt es entscheidend an!

Die höhere Rendite der Sachwerte liefert das Schmerzensgeld dafür, die Wertschwankungen in der Zeit auszuhalten. Da Altersvorsorge ein Investment über sehr lange Zeithorizonte ist, ließen sich die Schwankungen in der Vergangenheit gut aussitzen, wenn man nicht täglich auf die Kurstafel schaute.

Der Deutschen liebste Investmentvehikel, das Sparbuch, das Tagesgeldkonto und die klassische kapitalbildende Lebensversicherung (investiert in Staats- und Bankanleihen) gehören deshalb zu den alten Eisen der Altersvorsorge. Es besteht Bedarf an intelligenteren Vorsorgeprodukten und diese werden zunehmend auch von den Lebensversicherern geliefert.

2. Zieht die Dürre übers Land, zieh in eine fruchtbare Region!
Lebensversicherer sind gezwungen, für die Altersvorsorge nur noch kapitalmarktnahe Produkte anzubieten.

2.1 Schärfere Eigenmittelanforderungen unter Solvency II

Seit 2016 müssen Versicherer das Regelwerk von Solvency II erfüllen und damit ihr Versicherungsgeschäft risikogerechter bewerten. Aus materieller Sicht bedeutet dies, dass ein Versicherer umso mehr Eigenmittel vorhalten muss, je mehr Risiken er ausgesetzt ist.

Bei Lebens- und Rentenversicherungen wird die Dauer der gewährten Zinsgarantie zum Problem. Die bei Vertragsabschluss vereinbarte Garantieverzinsung ist für mehrere Jahrzehnte zu erfüllen – auch wenn die Finanzmärkte abstürzen und sich über lange Zeit nicht erholen. Die Zinsgarantie ist deshalb problematisch, weil die Zeitspanne, für die sie gewährt wird, deutlich länger ist als die Laufzeit der gehandelten und im Portfolio befindlichen Kapitalanlageprodukte. Die daraus resultierende Durationsdiskrepanz erfordert zusätzliche Eigenmittel.

Der EU-Normengeber hat zudem faktisch dafür gesorgt, dass jegliche Kapitalanlage, die nicht der Finanzierung solventer Staaten dient, dadurch bestraft wird, dass für diese zusätzliche Eigenmittel bereitgehalten werden müssen – ein teures Dilemma.

Wo kommen die zusätzlichen Eigenmittel her? Quelle sind grundsätzlich die erwirtschafteten und nicht an die Eigentümer und Versicherten ausgeschütteten Überschüsse. Dies ist zunehmend ein Kraftakt, da die Deckungsrückstellungen für Versicherungen zuvor mit hoher Garantieverzinsung verstärkt werden müssen (über die Zinszusatzreserve). Bei obendrein ständig abnehmenden Renditen wird der verteilungsfähige Überschuss stark gemindert.

Fazit: Die Kosten für langlaufende Zinsgarantien sind in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld extrem hoch; Zinsgarantien bieten für die Versicherten einen zweifelhaften Nutzen.

2.2 Keine neuen Abschlüsse mehr in den klassischen Lebensversicherungstarifen

Ein Versicherungskonzern nach dem anderen schließt seine Bücher bei den Lebensversicherern in der klassischen Tarifwelt. Die Tage sind gezählt, bis der letzte Anbieter im Massengeschäft keine Versicherungen mehr mit lebenslanger Garantieverzinsung anbieten wird. Ausnahmen wird es nur in Spezialsegmenten geben, um vor allem steuerliche Rahmenbedingungen der Versicherungsnehmer zu erfüllen.

2.3 Kapitalmarktnahe Produkte als Antwort auf die Herausforderungen

Das Kapitalanlagerisiko und die damit verbundenen Chancen werden zunehmend auf die Versicherten verlagert. Dies mindert das notwendige Risikokapital des Versicherers erheblich. Außerdem werden durch Reduzierung der Zinsgarantien oder vollständigen Verzicht auf sie Konzepte mit einer ertragreicheren Kapitalanlage (siehe Ziff. 1) möglich, die für den Vermögensaufbau so wichtig sind. 

Nicht neu, aber im Markt stark anzutreffen, ist das Setzen auf fondsgebundene Versicherungen. Diese sind in der betrieblichen Altersvorsorge oft wenig zu gebrauchen, u. a. deswegen, weil der Versicherungsnehmer

Investmententscheidungen (Fondsauswahl) zu treffen hat, die betriebsorganisatorisch und haftungsrechtlich auf wenig Akzeptanz im Betrieb stoßen.

Unter dem Sammelbegriff „Neue Klassik“ werden Versicherungen angeboten, deren Garantien erheblich abgespeckt sind und deren Kapitalanlage verstärkt in Sachwerte erfolgt, die vom Versicherungsnehmer aber keine Investmententscheidungen erfordern und im Wege eines Ablaufmanagements eine Risikoreduktion zum Ende der Ansparphase bewirken. Die verbliebenen Garantien werden meist klassisch über den Deckungsstock des Versicherers finanziert.

Säen und ernten – in der betrieblichen Altersvorsorge führt an kapitalmarktnahen Produkten auch aus Kunden- und Maklersicht kein Weg mehr vorbei.